Schulassistenz: Landesrat reagiert auf erneuten Protest

In Graz hat am Montag erneut ein Protestmarsch gegen die aktuelle Situation in der Schulassistenz stattgefunden.

Die Organisatorin kritisierte, das gesamte System stehe „in Flammen“ und es müsse dringend gehandelt werden. Der zuständige Landesrat stellte indes „Adaptierungen“ in Aussicht.

Die Lage der Schulassistenz in der Steiermark bleibt weiterhin äußerst angespannt. Seit Monaten weisen Eltern darauf hin, dass Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf in den Schulen nicht ausreichend betreut werden. Bereits Ende Oktober fand deshalb ein erster Protestmarsch statt – mehr dazu in Schulassistenz: Unterstützung gefordert (30.10.2025).

Stundenkontingent bereits ausgeschöpft

Nach der Oktober-Demonstration gab es laut Organisatorin Maria Luise Florineth ein Gespräch mit Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ). Dabei sei ihr mitgeteilt worden, dass das diesjährige Kontingent an Schulassistenz-Stunden ausgeschöpft sei. Auf die Frage, wie akut betroffene Schulen nun unterstützt würden, habe man sie lediglich auf das kommende Schuljahr verwiesen – ein Zeitpunkt, der erst in zehn Monaten liegt.

„Das gesamte System droht zu zerbrechen“

So lange könne man nicht warten, betont Florineth: „Es brennt nicht nur an einzelnen Stellen – das gesamte System steht derzeit in Brand. Kinder mit Behinderungen leiden besonders unter der aktuellen Situation, aber ebenso deren Eltern, Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrkräfte, die von den Kürzungen und fehlenden Assistenzstunden unmittelbar betroffen sind.“

„Es geht hier um Kinder, die ein Recht auf Bildung haben – und zwar jetzt. Es muss sofort gehandelt werden, nicht irgendwann. Ganze Systeme drohen im Moment zu zerbrechen“, so Florineth weiter.

Zu den größten Problemen zählt laut Florineth, dass Kinder, die eigentlich eine 1:1-Betreuung benötigen, diese häufig nicht erhalten. Zudem fehlten konstante Bezugspersonen, an die sich Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf gewöhnen könnten: „Ein Kind lässt sich beispielsweise nicht wickeln – und kommt nach sechs, sieben oder acht Stunden Schule mit derselben Windel nach Hause. Das betrifft Menschenwürde und Gesundheit. Oder Kinder laufen weg, weil es zu wenig Betreuung gibt.“

„Wir wollen laut bleiben“

Nur die Landesregierung könne die Situation durch eine Erhöhung der Assistenzstunden entschärfen, so Florineth. „Beim letzten Mal erhielten wir vom Landesrat eine Absage; diesmal herrscht Schweigen. Wir bekommen nun Unterstützung aus der Opposition und überlegen, welche weiteren Schritte wir setzen können. Aber wir werden auf jeden Fall laut bleiben, um zu zeigen: Es handelt sich nicht um Maschinen, die man einfach ignorieren kann, sondern um Menschen – um Kinder, die Schutz, Zuwendung und ausreichende finanzielle Mittel brauchen.“

Landesrat kündigt Adaptierungen an – verweist aber auch auf den Bund

Landesrat Stefan Hermann äußerte sich am Montag zu den Vorwürfen: „Wir sind uns des Novellierungsbedarfs des von Schwarz-Rot geschaffenen Schulassistenzgesetzes und der dazugehörigen Verordnung bewusst und arbeiten bereits an einer Adaptierung. Schon im Frühjahr wurde eine Evaluierung des Vollzugs beauftragt, mit dem Ziel, noch heuer Ergebnisse präsentieren zu können.“

Weiter betonte er: „Der Mitteleinsatz für die Schulassistenz ist in der Steiermark so hoch wie nie zuvor – von einem Sparkurs kann keine Rede sein. Allerdings wird es auch den Bund brauchen, um veraltete Berechnungsmodelle, wie den Schlüssel zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs, anzupassen. Zudem müssen bundesweit endlich mehr Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen zur Verfügung gestellt werden.“

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