Österreich verleiht mehr als 40.000 Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus die Staatsbürgerschaft

Mehr als 40.000 Menschen – überwiegend aus Israel – haben seit der Gesetzesänderung im September 2020 die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten.

Die Reform ermöglicht Nachkommen österreichischer Opfer des Holocausts den Erwerb eines österreichischen Passes.

„In so kurzer Zeit ist das ein schönes Zeichen des Vertrauens“, sagte Hannah Lessing, Generalsekretärin des Österreichischen Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Wien.

Nach Angaben des österreichischen Außenministeriums stammen mehr als die Hälfte der neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger (51 Prozent) aus Israel. Es folgen die USA mit 22 Prozent und Großbritannien mit 13 Prozent. Danach kommen Argentinien (3 Prozent), Australien (3 Prozent), Kanada (1 Prozent) und Mexiko (1 Prozent).

Weitere Nationalitäten machen zusammen sechs Prozent der Gesamtzahl aus.

Kinder, Enkel und Urenkel von Jüdinnen und Juden sowie anderen Opfern des Nationalsozialismus, die Österreich aufgrund der Verfolgung durch das Hitler-Regime verlassen mussten, können nun die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen. Zuvor stand diese Möglichkeit ausschließlich Überlebenden des Holocausts offen.

Die Republik Österreich verleiht den Pass, ohne dass die Antragsteller ihren Wohnsitz in Österreich nehmen oder ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben müssen. Dies stellt eine Sonderregelung dar, da Österreich Doppelstaatsbürgerschaften grundsätzlich nicht zulässt.

Dank der jüdischen Minderheit entwickelte sich Wien Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Kunst- und Kulturzentren Europas. Viele der prägenden Intellektuellen jener Zeit entstammten dem assimilierten jüdischen Bürgertum und der Mittelschicht.

Vor dem „Anschluss“ an das Dritte Reich lebten in Österreich rund 200.000 Jüdinnen und Juden. Mehr als 65.000 von ihnen wurden während des Holocausts ermordet. Um zu überleben, sah sich die überwiegende Mehrheit der übrigen zur Flucht ins Ausland gezwungen.

Heute ist Österreich ein Mitgliedstaat der Europäischen Union mit 7,32 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, wie die Volkszählung 2024 von Statistik Austria zeigt.

Zum Stichtag 1. Juni 2025 waren 639.700 österreichische Staatsangehörige im Ausland registriert – ein Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem gleichen Datum im Jahr 2024.

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