Während im Voranschlag noch von einem Minus von 3,8 Milliarden Euro ausgegangen wurde, nennt das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer aktuellen Prognose nun ein Defizit von rund 2,8 Milliarden Euro. Die Oppositionsparteien FPÖ, ÖVP und Grüne reagierten darauf mit scharfer Kritik.
Grundlage der neuen Einschätzung ist der vierteljährliche Bericht an den Gemeinderatsausschuss für Finanzen. Endgültige Klarheit soll der Rechnungsabschluss bringen, der im Juni vorgelegt wird. Zwar ist das Defizit zuletzt mehrfach gesunken, die im Budgetvoranschlag genannten Zielwerte konnten jedoch bislang nicht erreicht werden. Im Doppelbudget 2024/25 war für 2025 noch ein Minus von 2,2 Milliarden Euro vorgesehen.
Wie aus dem Rathaus betont wird, wirkt sich die neue Prognose auch auf den erwarteten Schuldenstand aus. Dieser dürfte Ende 2025 statt 14,9 Milliarden Euro nun rund 14,4 Milliarden Euro betragen. Damit könnte sich die jährliche Zinsbelastung um bis zu 50 Millionen Euro verringern. Bei der Pro-Kopf-Verschuldung sowie gemessen an der Wirtschaftsleistung liege Wien weiterhin im Mittelfeld der Bundesländer.
„Balanceakt“ zwischen Konsolidierung und Investitionen
Bürgermeister Ludwig verwies erneut auf die angespannte finanzielle Lage aller Gebietskörperschaften. Konsolidierung sei notwendig, könne aber nur gelingen, wenn gleichzeitig Beschäftigung gesichert, Wirtschaftswachstum gefördert und gezielt in Zukunftsbereiche investiert werde.
Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) zeigte sich ebenfalls zuversichtlich: Wien schaffe den Spagat zwischen finanzieller Stabilität und dem Erhalt hoher sozialer Standards. Auch im Budget 2026 bekenne man sich klar zu einer starken Daseinsvorsorge und hoher Lebensqualität.
Massive Kritik aus der Opposition
Die FPÖ sprach von einem „Taschenspielertrick“. Parteichef Dominik Nepp bezeichnete es als „finanzpolitischen Wahnsinn“, ein Defizit von 2,8 Milliarden Euro als Erfolg darzustellen. Tatsächlich werde sich der Schuldenstand bis 2030 nahezu auf 28 Milliarden Euro verdoppeln. Das entstehende Budgetloch werde durch neue Abgaben und zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung geschlossen.
Auch die Wiener ÖVP zeigte sich alarmiert. Parteichef Markus Figl erklärte, die neue Prognose ändere nichts daran, dass Wien unter SPÖ und NEOS auf einen historischen Schuldenstand zusteuere. Für 2026 werde eine Rekordverschuldung erwartet, bis 2030 könnten die Schulden auf rund 30 Milliarden Euro anwachsen. Anstelle neuer Belastungen brauche es echte Einsparungen, etwa in der Verwaltung, bei der Mindestsicherung und im Fördersystem. Gefordert wurde ein transparenter und glaubwürdiger Konsolidierungspfad.
Die Grünen kritisierten vor allem die wiederholten Korrekturen der Budgetzahlen. Parteivorsitzende Judith Pühringer sprach von einem erneuten Beweis dafür, dass die Stadtregierung die Finanzen nicht im Griff habe. Trotz massiver Kürzungen bleibe ein Rekorddefizit von 2,8 Milliarden Euro bestehen. Von einer „erfreulichen Schrumpfung“ zu sprechen, sei angesichts dieser Zahlen zynisch. Zudem sei es demokratiepolitisch problematisch, dass das Budget 2026 auf Basis unzutreffender Annahmen erstellt worden sei und der Gemeinderat erneut keine vollständige Transparenz über die tatsächliche Budgetsituation gehabt habe.