Jede siebte Person in Österreich ist von Armut bedroht

Trotz Pandemie, steigender Preise und wirtschaftlicher Abschwächung ist die Armutsgefährdung in Österreich zuletzt weitgehend konstant geblieben.

Dennoch ist die absolute Zahl der Betroffenen gestiegen. Besonders stark betroffen sind Familien mit Kindern sowie Alleinerziehende.

Aktuell gelten 14,3 Prozent der Bevölkerung in Österreich als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Überdurchschnittlich hoch ist das Risiko bei Alleinerziehenden und bei Familien mit drei oder mehr Kindern. Nach aktuellen Daten des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) verfügt beinahe ein Drittel dieser Haushalte über ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Im Vergleich zu den Jahren vor der Corona-Krise hat sich dieser Anteil trotz Teuerung und Wirtschaftsflaute nur geringfügig verändert.

Haushaltsform entscheidend für Armutsrisiko

Wie die jüngste Ausgabe von „Familie in Zahlen“ zeigt, spielt die Zusammensetzung des Haushalts eine zentrale Rolle. Während Paare ohne Kinder oder mit höchstens zwei Kindern deutlich seltener betroffen sind als der Durchschnitt, liegt das Armutsrisiko bei Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern sowie bei Familien mit mindestens drei Kindern bei über 32 Prozent – und damit mehr als doppelt so hoch wie im österreichweiten Schnitt.

Als armutsgefährdet gelten Personen, denen weniger als 60 Prozent des Median-Jahreseinkommens zur Verfügung stehen. Auch Einpersonenhaushalte sind vergleichsweise häufig betroffen: Mehr als ein Viertel der rund 1,6 Millionen alleinlebenden Menschen verfügt laut ÖIF über weniger als 1.661 Euro monatlich, dem für 2024 festgelegten EU-SILC-Grenzwert.

Stabile Quote, aber steigende Zahl Betroffener

Ein Blick auf frühere Ausgaben von „Familie in Zahlen“ zeigt, dass die Armutsgefährdungsquote über die Jahre hinweg relativ stabil geblieben ist. Vor der Corona-Pandemie lag sie nur geringfügig niedriger, ab 2021 etwas höher als zuletzt. Aufgrund des Bevölkerungswachstums bedeutet dies jedoch einen Anstieg der Betroffenenzahl um rund 50.000 Personen zwischen 2018 und 2024 – auf insgesamt etwa 1,29 Millionen Menschen.

Deutlichere Veränderungen zeigen sich bei bestimmten Gruppen: Während der Anteil armutsgefährdeter kinderreicher Familien 2018 noch um fast vier Prozentpunkte niedriger lag, war er bei Alleinerziehenden damals um etwa sechs Prozentpunkte höher als heute.

Für Martin Schenk von der Armutskonferenz deutet die relative Einkommensstabilität darauf hin, dass der österreichische Sozialstaat grundsätzlich noch funktioniere. Zwar gebe es individuelle Abstiegsprozesse aus der Mitte der Gesellschaft, diese beträfen jedoch keine breiten Bevölkerungsschichten.

Materielle und soziale Benachteiligung nimmt zu

Die Armutsgefährdungsquote allein bilde jedoch nicht das gesamte Ausmaß von Armut und sozialer Ausgrenzung ab, so Schenk. Ein aussagekräftigerer Indikator sei die sogenannte erhebliche materielle und soziale Benachteiligung, die auch die tatsächlichen Lebensbedingungen berücksichtigt. In diesem Bereich sei seit der starken Teuerung ein klarer Anstieg zu verzeichnen.

Laut Eurostat-Daten waren 2024 in Österreich 3,7 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Diese Menschen können sich grundlegende Dinge des Alltags nicht leisten – etwa einen jährlichen Urlaub, pünktliche Mietzahlungen, ausreichendes Heizen oder das Ersetzen abgenutzter Möbel. Auch unerwartete Ausgaben von rund 1.390 Euro stellen für sie ein großes Problem dar. Im Jahr 2018 lag dieser Anteil noch bei 2,8 Prozent, was einem Anstieg von 240.000 auf 336.000 Betroffene entspricht.

Österreich im EU-Vergleich im Mittelfeld

Haushalte mit Kindern sind auch nach dieser Definition etwas stärker betroffen als kinderlose Haushalte. EU-weit liegt der Durchschnitt bei 6,4 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil in Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Griechenland oder Spanien, während er in Staaten wie Slowenien, Kroatien, Polen, Zypern und Tschechien deutlich niedriger ausfällt.

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