Fachleute warnen, dass bereits heute Hunderttausende Menschen in Gebieten mit erhöhter Gefährdung leben.
Nach Angaben von Florian Rudolf-Miklau, Leiter der Abteilung für Wildbach- und Lawinenverbauung im österreichischen Landwirtschaftsministerium, befinden sich landesweit rund 200.000 Gebäude in potenziell gefährdeten Zonen. Davon seien unmittelbar etwa 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner betroffen.
Besonders alarmierend ist, dass sich rund 40.000 dieser Gebäude in sogenannten roten Zonen befinden – also in Bereichen, in denen nach fachlichen Einschätzungen eine Bebauung eigentlich nicht zulässig sein sollte.
Ursachen: Klimawandel und intensive Flächennutzung
Als Hauptursachen nennt Rudolf-Miklau den Klimawandel sowie die intensive Nutzung von Siedlungs- und Verkehrsflächen. „Die globale Erwärmung spielt eine wesentliche Rolle, doch auch die Art und Weise, wie wir unseren Lebensraum nutzen, erhöht das Risiko zusätzlich“, betont er. Einige Ortschaften seien bereits heute erheblich gefährdet, und die Häufigkeit solcher Extremereignisse werde in Zukunft voraussichtlich weiter zunehmen.
Aktuelle Schätzungen zeigen zudem, dass rund 800.000 Menschen in Österreich einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt sind.
Vorläufig keine großflächigen Umsiedlungen
Während einzelne Klimawissenschaftler langfristig auch Umsiedlungen aus besonders gefährdeten Regionen für möglich halten, sieht Rudolf-Miklau derzeit keinen akuten Handlungsbedarf für Evakuierungen ganzer Ortschaften. „Ich würde nicht sagen, dass wir aktuell in einer Situation sind, in der ganze Siedlungsgebiete sofort aufgegeben werden müssten“, erklärt er.
Extremwetter und Klimakrise
Laut dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) lassen sich einzelne Extremwetterereignisse meist nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Der wissenschaftliche Konsens ist jedoch eindeutig: Die Klimakrise führt dazu, dass Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme häufiger und intensiver auftreten. Niederschläge und Unwetter werden heftiger, Hitzeperioden extremer und Trockenphasen ausgeprägter – mit zunehmenden Risiken für Bevölkerung, Infrastruktur und Wirtschaft.