Alarmglocken läuten: Europa könnte von einer neuen Migrationswelle getroffen werden – möglicherweise schlimmer als 2015

Europa könnte vor einer neuen Migrationskrise stehen. In manchen Szenarien könnte eine mögliche Fluchtbewegung aus dem Iran sogar größer ausfallen als die Krise von 2015, als infolge des Krieges in Syrien eine massive Migration aus Asien und Afrika Richtung Europa einsetzte.

In den Jahren 2015 und 2016 flohen mehr als eineinhalb Millionen Menschen vor Krieg und Terror aus Syrien und den Nachbarländern und erreichten die Europäische Union. Allein Deutschland nahm rund eine Million Flüchtlinge und Migranten auf, was erhebliche politische und gesellschaftliche Spannungen auslöste.

In der Folge kam es zu mehreren islamistisch motivierten Terroranschlägen. Gleichzeitig konnten rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien politischen Zulauf gewinnen, was die politische Landschaft sowohl in Deutschland als auch in der gesamten EU nachhaltig veränderte.

Der EU-Kommissar für Migration, Magnus Brunner, sprach bereits Anfang dieser Woche mit dem türkischen Außenminister über die aktuelle Flüchtlingssituation.

Die türkische Regierung hat die Kontrollen an der Grenze zum Iran bereits verstärkt. Die beiden Länder teilen eine fast 600 Kilometer lange Grenze. Auch Griechenland plant, die Grenzkontrollen zur Türkei weiter auszubauen.

Fünf Gründe, warum Europa eine neue Migrationswelle drohen könnte – möglicherweise sogar stärker als 2015

1. Deutlich größere Bevölkerung im Iran als in Syrien

Der Iran hat rund 93 Millionen Einwohner. Syrien hatte vor dem Krieg im Jahr 2011 etwa 22 Millionen. Während des syrischen Bürgerkriegs verließen rund sieben Millionen Menschen das Land – etwa 31 Prozent der Bevölkerung. Würden zehn Prozent der iranischen Bevölkerung das Land verlassen, wären das über neun Millionen Menschen.

2. Sanktionen und schwierige wirtschaftliche Lage

Der Iran steht seit Jahren unter internationalen Sanktionen aufgrund seines Atomprogramms und geopolitischer Konflikte. Die Folgen sind hohe Inflation, sinkende Kaufkraft und hohe Arbeitslosigkeit, besonders unter jungen Menschen. Sollte es zu einem länger andauernden Krieg kommen, könnten viele Menschen Migration als einzigen Ausweg sehen.

3. Die Migrationsroute nach Europa existiert bereits

Die Route, über die Migranten 2015 nach Europa gelangten, ist bereits etabliert: Iran – Türkei – Griechenland – Westbalkan – EU. Die östliche Mittelmeer- und Balkanroute entstand während der Syrienkrise und ist weiterhin aktiv. Bei einer neuen Migrationsbewegung könnte sie erneut zum wichtigsten Zugang nach Europa werden.

4. Iran weist bereits eine hohe Migrationsdynamik auf

Seit Jahrzehnten beherbergt der Iran Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks lebten schon vor einem möglichen neuen Krieg mehr als zwei Millionen afghanische Asylsuchende im Iran.

Sollte sich der Konflikt ausweiten, könnten auch sie weiterziehen und eine Kettenreaktion von Migration in der gesamten Region auslösen. Hinzu kommen Spannungen zwischen Pakistan und Afghanistan, die das Migrationspotenzial Richtung Europa zusätzlich erhöhen könnten.

5. Regionale Eskalation könnte Fluchtbewegungen aus mehreren Ländern auslösen

Ein Krieg gegen den Iran könnte sich zu einem größeren regionalen Konflikt ausweiten. Der Iran greift bereits Golfstaaten an, deren Infrastruktur von den Vereinigten Staaten für Angriffe auf iranische Ziele genutzt wird.

Auch die Hisbollah ist in den Konflikt involviert. Dies führte zunächst zu israelischen Luftangriffen auf den Libanon; inzwischen sind auch israelische Bodentruppen in das Land einmarschiert.

Die Hilfsorganisation Caritas beschreibt die humanitäre Lage vor Ort als dramatisch und rechnet mit „mehr als einer Million Binnenvertriebenen“. Damit könnten mehrere Fluchtbewegungen gleichzeitig entstehen – genau dieses Szenario bereitet europäischen Regierungen große Sorgen.

Erfahrungen aus früheren Konflikten, etwa in Syrien, Somalia oder Jemen, zeigen jedoch, dass Menschen zunächst meist innerhalb ihres eigenen Landes fliehen und in ruhigeren Regionen – häufig bei Verwandten – Schutz suchen.

Erst danach folgt häufig die Weiterflucht Richtung Europäische Union, die nach Einschätzung vieler Beobachter auf eine neue massive Migrationswelle derzeit kaum vorbereitet ist.

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