Allein am Montag wurden weitere Hunderte Flüge gestrichen, was das Chaos im globalen Luftverkehr verlängerte und die Lage für Reisende zusätzlich verschärfte. Es handelt sich um den schwersten Schlag für die Luftfahrt seit der Covid-19-Pandemie, berichtet The Guardian.
Tausende Flugausfälle
Die wichtigsten Flughäfen im Nahen Osten, darunter Dubai – das verkehrsreichste internationale Drehkreuz der Welt – sind bereits den dritten Tag in Folge geschlossen. Nach Angaben der Flugüberwachungsplattform FlightAware wurden am Samstag nahezu 2.800 Flüge gestrichen, am Sonntag 3.156. Am frühen Montagmorgen kamen bereits weitere 1.239 Annullierungen hinzu.
Die Fluggesellschaften Emirates aus Dubai, Etihad Airways aus Abu Dhabi und Qatar Airways aus Doha strichen gemeinsam Hunderte Verbindungen. Auch andere Airlines wie Air India setzten ihre Flüge in der Region vorübergehend aus.
„Für die Passagiere gibt es nichts zu beschönigen“, sagte Henry Harteveldt, Luftfahrtanalyst und Präsident der Atmosphere Research Group. „Sie müssen sich in den kommenden Tagen auf weitere Verspätungen und Annullierungen einstellen, während sich die Angriffe fortsetzen und – hoffentlich – bald enden.“
Globale Auswirkungen des Konflikts
Nach Angaben der Flugverfolgungsseite Flightradar24 blieb der Luftraum über Iran, Irak, Kuwait, Israel, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar auch am Montag nahezu leer.
Die Folgen reichen weit über den Nahen Osten hinaus: Reisende sitzen an Flughäfen von Bali bis Frankfurt fest. Der Konflikt hat sich zudem auf den Libanon ausgeweitet, wo Israel nach Raketenangriffen der Hisbollah Luftschläge durchführte. Infolgedessen blieb ein Großteil des regionalen Luftraums gesperrt.
Ein weiteres Problem: Flugzeuge, Crews und Piloten sind derzeit weltweit verteilt, was die Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebs nach einer Öffnung des Luftraums erheblich erschweren dürfte.
Während viele Passagiere verzweifelt auf Informationen warten, suchen besonders wohlhabende Reisende nach Alternativen. „Saudi-Arabien ist derzeit die einzige realistische Option für Menschen, die die Region verlassen wollen“, sagte Ameerh Naran, Geschäftsführer des Privatjet-Vermittlers Vimana Private, gegenüber Semafor. Ein Privatflug von Riad nach Europa koste derzeit bis zu 350.000 US-Dollar.
BREAKING: Iranian drone strike hits Dubai International Airport.
Evacuations are underway at the airport. pic.twitter.com/kjEwqD5Vyl
— Clash Report (@clashreport) February 28, 2026
Wirtschaftlicher Rückschlag
Die Aktien führender Fluggesellschaften gerieten unter Druck, da Investoren die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts fürchten. Japan Airlines verlor 5,6 Prozent, Singapore Airlines 4,5 Prozent, Qantas 5,4 Prozent und Cathay Pacific 2,9 Prozent.
Zudem steigen die Treibstoffkosten deutlich: Der Preis für Rohöl der Sorte Brent sprang um bis zu 13 Prozent auf 80 US-Dollar pro Barrel. Analysten halten sogar einen Anstieg auf 100 Dollar für möglich.
„Die Hauptauswirkungen werden sich für alle über die Ölpreise bemerkbar machen, die deutlich anziehen dürften“, erklärte der Luftfahrtberater Bertrand Grabowski. Der Golf gilt außerdem als zentrales Drehkreuz für den Luftfrachtverkehr, was die ohnehin angespannten globalen Handelsrouten zusätzlich belastet.
Druck auf alternative Flugrouten
Analysten betonen, dass eine so lange Schließung aller drei großen Golf-Drehkreuze beispiellos sei. Verbleibende Flüge werden großräumig umgeleitet, um gesperrte Lufträume zu umgehen.
Routen über Iran und Irak hatten bereits an Bedeutung gewonnen, nachdem der Krieg in der Ukraine viele Airlines dazu gezwungen hatte, den russischen und ukrainischen Luftraum zu meiden. Die erneute Sperrung im Nahen Osten zwingt Fluggesellschaften nun in noch engere Luftkorridore. Hinzu kommen zusätzliche Risiken durch Spannungen zwischen Pakistan und Afghanistan, wie Ian Petchenik, Kommunikationsdirektor von Flightradar24, betonte.
„Lang anhaltende Störungen stellen die größte Sorge für die kommerzielle Luftfahrt dar“, so Petchenik.