Iran-Konflikt könnte Inflation in Österreich wieder anheizen

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat unmittelbare Folgen für die Energiepreise – und könnte die Inflation in Österreich erneut über die Zwei-Prozent-Marke treiben.

Darin sind sich die Ökonomen des Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) und des Institut für Höhere Studien (IHS) einig. Wie stark die globalen wirtschaftlichen Auswirkungen ausfallen, hängt jedoch maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab. Langfristig könnte ein politischer Umbruch im Iran sogar positive Effekte für Europa und Österreich bringen.

Die Ölpreise sind zuletzt um rund zehn Prozent gestiegen. „Ich hätte ehrlich gesagt mit einem stärkeren Ausschlag gerechnet“, erklärte IHS-Ökonom Sebastian Koch. Der Gaspreis legte um etwa 20 Prozent zu. Besonders relevant sei jedoch der ebenfalls um bis zu 20 Prozent gestiegene Preis für Gasöl. Das dürfte mittelfristig auch die Spritpreise erhöhen – und die Inflation in Österreich um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte nach oben treiben.

Straße von Hormus als Schlüsselfaktor

Wie stark Haushalte und Unternehmen tatsächlich belastet werden, hängt entscheidend davon ab, wie lange die wichtige Erdölroute durch die Straße von Hormus blockiert bleibt. Darauf verwies der frühere E-Control-Vorstand Walter Boltz im Ö1-Mittagsjournal. Sollte die Meerenge bis Mai gesperrt bleiben, könnten die Großhandelspreise für Gas von derzeit rund 40 auf bis zu 90 Euro pro Megawattstunde steigen.

Auch beim Öl drohen deutliche Aufschläge: Sollten Förderanlagen ins Visier geraten, könnte der Rohölpreis laut Marktanalyst Johannes Benigni auf bis zu 150 US-Dollar pro Barrel klettern.

Über die Straße von Hormus werden rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion transportiert – unter anderem Exporte aus dem Irak, Kuwait und Saudi-Arabien. Auch der Iran selbst ist auf diese Route angewiesen, um sein Öl nach China zu liefern. Schifffahrtsdaten zufolge lagen zeitweise rund 150 Tanker vor Anker.

Politische Faktoren und mögliche Entlastung

Bei einem länger anhaltenden Konflikt könnten allerdings Maßnahmen zur Dämpfung der Energiepreise folgen – etwa durch eine Ausweitung der Fördermengen oder den Rückgriff auf strategische Reserven. Mit Blick auf die bevorstehenden „Midterm“-Wahlen in den USA könnte die Regierung von Donald Trump bemüht sein, die Treibstoffpreise niedrig zu halten, so Koch.

Wifo-Ökonom Josef Baumgartner erinnerte daran, dass ein ähnlicher Konflikt im Juni des Vorjahres nur rund zwei Wochen dauerte und sich die Preise rasch normalisierten. Allerdings ging es damals primär um die Verhinderung eines iranischen Atomprogramms. Der aktuelle Konflikt ziele hingegen auf einen möglichen Machtwechsel ab – mit potenziell schwerwiegenderen Folgen für die Infrastruktur des Landes.

Wirtschaftliche Chancen bei Machtwechsel

Sollte es zu einem geordneten politischen Übergang kommen und Sanktionen aufgehoben werden, könnte dies laut einer Studie des Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) erhebliche wirtschaftliche Impulse bringen. Studienautor Mahdi Ghodsi betont das große Potenzial: Mehr Handel, niedrigere Energiepreise und eine effizientere internationale Arbeitsteilung würden Europa deutliche Wohlstandsgewinne bringen.

Allein die Aufhebung der EU-Sanktionen könnte das iranische Bruttoinlandsprodukt um mehr als 80 Prozent erhöhen. Für die EU ergäbe sich ein Plus von 0,3 Prozent, für Österreich sogar von 0,5 Prozent. Grund dafür ist die starke Position österreichischer Unternehmen im Anlagen- und Maschinenbau, in der Bauwirtschaft, bei Verkehrsinfrastruktur sowie in Umwelt- und Wassertechnik – Bereiche, in denen im Iran erheblicher Nachholbedarf besteht.

Sollte sich die iranische Arbeitsproduktivität langfristig an Länder wie die Türkei oder Südkorea annähern, könnte das BIP des Landes sogar um 240 bis 390 Prozent wachsen. Für die EU würde das laut Studie einen zusätzlichen Wohlstandsgewinn von bis zu 0,7 Prozent bedeuten.

Allerdings betonen die Experten, dass es sich dabei um ein optimistisches „Best-Case“-Szenario handelt. Kurzfristig überwiegen die Risiken steigender Energiepreise – und damit auch neuer Inflationsimpulse für Österreich.

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