Universität Wien untersucht Zusammenhang zwischen Glück und Zusammenleben im Alter

Eine neue Studie unter Leitung der Universität Wien zeigt, dass das Eingehen einer Liebesbeziehung und der Beginn eines gemeinsamen Lebens bei Menschen über 50 Jahren das Lebenszufriedenheitsniveau deutlich steigern.

Dagegen hat eine spätere Eheschließung keinen zusätzlichen messbaren Einfluss auf das Glücksempfinden.

Bisherige Altersforschung konzentrierte sich vor allem auf Verlusterfahrungen, etwa darauf, wie ältere Menschen mit dem Tod eines Partners oder einer schmerzhaften Trennung umgehen. Vor diesem Hintergrund richtete die Universität Wien gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der University of British Columbia und der Stanford University den Fokus gezielt auf neue Partnerschaften im höheren Lebensalter. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal International Journal of Behavioral Development veröffentlicht.

Das internationale Forschungsteam analysierte longitudinal erhobene Daten von 2.840 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der US-amerikanischen „Health and Retirement Study“ im Alter zwischen 50 und 95 Jahren. Untersucht wurde insbesondere, wie sich depressive Symptome und die Lebenszufriedenheit verändern, wenn Menschen mit einem neuen Partner zusammenziehen oder heiraten.

Die Ergebnisse zeigen, dass der gemeinsame Start in einen Haushalt – unabhängig davon, ob zuvor geheiratet wurde oder nicht – einen positiven Effekt auf die Lebenszufriedenheit hat. Paare, die bereits zusammenlebten und später heirateten, berichteten hingegen über keinen zusätzlichen Zugewinn an Zufriedenheit. Die Forschenden schließen daraus, dass die Ehe für ältere Paare, die bereits zusammen wohnen, keinen messbaren Mehrwert in Bezug auf Glück bietet.

Auch im Hinblick auf Trennungen ergab sich ein bemerkenswertes Ergebnis: Das Ende einer Partnerschaft im höheren Lebensalter führte nicht zu einem messbaren Rückgang des Wohlbefindens. Die Wiener Psychologin Iris Wahring erklärte, dies könne darauf hindeuten, dass ältere Menschen über eine ausgeprägte emotionale Resilienz verfügen oder alternative soziale Ressourcen nutzen, um solche Veränderungen abzufedern.

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft geschlechtsspezifische Unterschiede. Entgegen der verbreiteten Annahme, dass Männer stärker von stabilen Partnerschaften profitieren als Frauen, zeigte die Studie keine signifikanten Unterschiede. Zwar berichteten Männer über geringere emotionale Unterstützung durch Freunde und Familie, doch wirkte sich das Zusammenleben auf beide Geschlechter in allen untersuchten Altersgruppen ähnlich positiv aus.

Das Forschungsteam verwies zudem auf gesellschaftliche Veränderungen: Während ein Leben ohne Partner vor einigen Jahrzehnten selten und häufig stigmatisiert war, ist es heute in vielen Altersgruppen verbreitet. Dies könnte erklären, warum in der Vergangenheit ein Anstieg der Lebenszufriedenheit stärker mit der Ehe verbunden war, während diese heute keine entscheidende Rolle mehr spielt.

Die Psychologinnen und Psychologen betonten abschließend, dass es sich bei den Ergebnissen um statistische Durchschnittswerte handelt und individuelle Erfahrungen variieren können. Obwohl die Studie auf Daten aus den USA basiert, seien die Erkenntnisse aufgrund vergleichbarer Beziehungsnormen grundsätzlich auch auf Europa übertragbar.

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