Wien verstärkt Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt an Schulen

Die Stadt Wien intensiviert ihre Bemühungen zur Gewaltprävention an Schulen. Nach vermehrten Vorfällen wurden neue Programme und Maßnahmen eingeführt, die bereits erste Erfolge zeigen.

Die Zahl der Suspendierungen ist im Schuljahr 2023/24 im Vergleich zum Vorjahr um über sieben Prozent gesunken. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen, insbesondere durch gesellschaftliche Entwicklungen und Migration.

Umfassendes Gewaltschutzpaket zeigt erste Wirkung

Um Gewalt an Schulen nachhaltig zu reduzieren, hat die Stadt Wien ein breit angelegtes Maßnahmenpaket vorgestellt. Im Fokus steht dabei ein Orientierungshilfe-Programm für strafunmündige Intensivtäter, das in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und der Kinder- und Jugendhilfe durchgeführt wird. Dafür sind rund 500.000 Euro vorgesehen. Familien der betroffenen Kinder sollen ebenfalls einbezogen werden – verweigern sie die Kooperation, kann ein Obsorgeverfahren eingeleitet werden.

Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) betonte die Notwendigkeit von Konsequenzen für gewalttätige Jugendliche, sprach sich jedoch erneut gegen Gefängnisstrafen für Unmündige aus.

Erweiterung bestehender Programme und Zusammenarbeit mit Derad

Neben der Orientierungshilfe wurde das bereits bestehende Trainingsprogramm für auffällige Schüler finanziell auf 535.000 Euro aufgestockt. Zusätzlich wird die Zusammenarbeit mit dem Verein Derad verstärkt, um Lehrkräfte bei der Identifikation extremistischer Tendenzen unter Schülern besser zu unterstützen. „Wir sehen eine stärkere salafistische Onlinebewegung, die Jugendliche anspricht“, so Wiederkehr. Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs ergänzte, dass Lehrkräfte sich verstärkt an Derad wenden können, um nicht allein mit der Problematik konfrontiert zu sein.

Ein weiteres Kernelement ist die Aufstockung der sogenannten FiSch-Klassen („Familie in Schulen“). Die Anzahl der Plätze in den acht Kompetenzzentren steigt von 100 auf 300. In diesen Klassen verbringen Eltern und Kinder gemeinsam Zeit in der Schule, um problematisches Verhalten zu reflektieren und zu verbessern. Gleichzeitig erhalten Eltern Unterstützung bei der Erziehungsarbeit.

Kritik und politische Debatte um Strafmündigkeit

Die Wiener FPÖ kritisierte die Maßnahmen als unzureichend. Bildungssprecher Maximilian Krauss forderte anstelle „millionenschwerer sozialromantischer Projekte“ eine Senkung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre. Er sprach sich zudem für strengere Disziplinarmaßnahmen für suspendierte Schüler aus.

Laut Statistik betrafen die meisten Suspendierungen Mittelschulen (55 Prozent), gefolgt von Sonderschulen (19 Prozent), Volksschulen (14 Prozent) und AHS (acht Prozent). Die überwiegende Mehrheit der betroffenen Schüler (87 Prozent) war männlich und zwischen elf und 15 Jahre alt. Eine Suspendierung dauert in der Regel maximal 15 Tage.

Mit den neuen Maßnahmen will die Stadt Wien nicht nur die Zahl der Gewalttaten an Schulen reduzieren, sondern auch gezielt präventiv eingreifen, um gefährdete Jugendliche frühzeitig aufzufangen. Die Entwicklung der Programme wird weiterhin beobachtet und gegebenenfalls angepasst.

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