Eltern vom Balkan wegen versuchten Mordes an Baby zu insgesamt 30 Jahren Haft verurteilt

Am Landesgericht für Strafsachen Wien ist heute der Prozess gegen zwei Eltern mit Balkan-Herkunft zu Ende gegangen, die beschuldigt wurden, ihre zweimonatige Tochter schwer misshandelt zu haben.

Das Gericht verhängte langjährige Haftstrafen: Der Vater wurde wegen versuchten Mordes zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, die Mutter erhielt 10 Jahre Haft wegen Beihilfe, da sie die Gewalt gegen das Kind nicht verhindert hatte.

Zudem wurde der Vater verpflichtet, dem Kind 30.000 Euro Schadenersatz zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Vater schüttelte Baby und verursachte schwere Verletzungen

Laut Anklage soll der 33-jährige Vater seine Tochter im April und Mai 2025 mehrfach heftig geschüttelt haben. Das Kind erlitt dabei Hirnblutungen, Netzhautblutungen und mehrere Rippenbrüche.

Ein gerichtlicher Sachverständiger erklärte vor Gericht, die Verletzungen seien typisch für das sogenannte Shaken-Baby-Syndrom.

„Das Kind wurde vermutlich in zwei verschiedenen Situationen sehr stark und abrupt geschüttelt. Solche Verletzungen können lebensbedrohlich sein“, sagte der Experte. Aufgrund einer antisozialen Persönlichkeitsstörung ordnete das Gericht an, dass der Vater zusätzlich zur Haftstrafe in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht wird.

Mutter verurteilt, weil sie das Kind nicht schützte

Die 38-jährige Mutter, eine Krankenschwester, wurde wegen Beihilfe zum versuchten Mord schuldig gesprochen. Nach eigenen Angaben hatte sie ihren Partner zweimal dabei gesehen, wie er das Baby schüttelte, griff jedoch nicht ein.

Das Gericht wertete als erschwerend, dass die Tat gegen ein nahes Familienmitglied und ein völlig hilfloses Kleinkind gerichtet war. Als mildernden Umstand berücksichtigte das Gericht, dass die Mutter zuvor nicht vorbestraft war. Nach der Urteilsverkündung brach sie in Tränen aus.

Staatsanwaltschaft: Auch ein Laie kennt die Gefahr

In ihrem Schlussplädoyer betonte die Staatsanwältin, der Vater habe die möglichen Folgen seines Handelns kennen müssen.

„Selbst ein Laie muss doch wissen, dass ein so kleines Baby daran sterben kann“, sagte sie vor Gericht.

Der Rechtsvertreter des Kindes hatte eine Entschädigung von 30.000 Euro gefordert – dem Antrag gab das Gericht statt.

Verteidigung: Mutter selbst Opfer von Gewalt

Die Verteidigerin der Mutter argumentierte, ihre Mandantin sei selbst Opfer von Gewalt ihres Partners gewesen. Dieser habe sie angeblich geschlagen und sogar während der Schwangerschaft in den Bauch getreten. „Sie befand sich in einem Kreislauf der Gewalt und handelte aus Angst“, erklärte die Anwältin.

Der Anwalt des Vaters betonte hingegen, sein Mandant habe nie die Absicht gehabt, sein Kind zu verletzen. In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte:
„Ich hätte nie gedacht, dass ich meiner Tochter Schaden zufügen könnte.“

Notoperation rettete dem Baby das Leben

Der Fall wurde im Mai 2025 bekannt, als die Eltern ihre zweimonatige Tochter wegen einer plötzlichen Verschlechterung ihres Zustands in ein Wiener Krankenhaus brachten. Ein Kinderarzt bemerkte, dass das Baby so lange schrie, bis es Stimme und Muskelspannung verlor, und empfahl eine sofortige Aufnahme ins Krankenhaus. Die Eltern nahmen das Kind jedoch wieder mit nach Hause.

Zwei Tage später wurde das Baby nach einem Anfall erneut eingeliefert. Ärzte stellten Rippenbrüche unterschiedlichen Alters, Hirnblutungen und eine lebensgefährliche Hirnschwellung fest. Das Kind wurde umgehend in das Allgemeines Krankenhaus Wien gebracht und operiert. Ärzte gehen davon aus, dass dauerhafte Schäden, etwa am Sehvermögen oder an den kognitiven Fähigkeiten, möglich sind.

Vater bereits mehrfach wegen Gewalt verurteilt

Während des Prozesses wurde bekannt, dass der Vater bereits acht Vorstrafen wegen Gewaltdelikten hatte und in der Vergangenheit Haftstrafen in Deutschland und Österreich verbüßt hatte. Er soll zuvor Wohnsitze in Deutschland und Italien gehabt haben. In Österreich war gegen ihn zudem ein Aufenthaltsverbot verhängt worden. Das Paar hatte sich über eine Dating-App kennengelernt, als der Mann bereits im Gefängnis saß.

Familie der Mutter von Anfang an misstrauisch

Die Familie der Mutter erklärte vor Gericht, sie sei dem Mann von Anfang an gegenüber skeptisch gewesen. Er habe sich angeblich unter einem falschen Namen vorgestellt und behauptet, aus Montenegro zu stammen. Der Bruder der Verurteilten sagte aus, viele Geschichten des Mannes über Luxusautos oder den Kauf eines Hauses seien zweifelhaft gewesen.

„Wir waren von Anfang an misstrauisch – vieles passte einfach nicht zusammen“, erklärte er.

Die Familie der Mutter hat inzwischen das Sorgerecht für das Kind beantragt.

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