Neuer König, neue Marke

Mit dem Tod der Queen ändert sich nicht nur der Titel von König Charles, auch Münzen, Briefmarken und Souvenirs werden angepasst– ein Überblick.

Die verstorbene britische Königin, Queen Elizabeth II., ist eine Marke für sich. Mit einem geschätzten Markenwert von 50 Milliarden US-Dollar wäre sie theoretisch in den Top-10 der Forbes-Rangliste der wertvollsten Brands von 2020. Das Gesicht der Queen schmückt nicht nur Souvenirs wie Postkarten und T-Shirts, sondern auch Briefmarken, Briefkästen, Münzen und offizielle Dokumente. Mit Charles III. als neuem König wird sich vieles davon ändern – manches erst im Laufe der Zeit, manches sofort.

„God save the King!“

Die Nationalhymne Großbritanniens ist über Grenzen hinweg bekannt. Über 70 Jahre lang sangen Menschen bei Feierlichkeiten, auf Sportveranstaltungen und Kinder in der Schule die Wörter „God save the Queen!“ Auch in einigen modernen Songs, etwa von der Band Sex Pistols, hat die Zeile Einzug gefunden. Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. hat sich das geändert. Auf der Website der königlichen Familie findet sich nun die Phrase „God save the King!“ – jene Version, in der die Hymne im 18. Jahrhundert ursprünglich auch geschrieben worden war.

Phrasen werden sich auch in neu ausgestellten britischen Pässen ändern. Während diese bisher immer im Namen „Ihrer Majestät“ ausgestellt wurden, laufen sie zukünftig im Namen „Seiner Majestät“. Der König selbst braucht dafür künftig keinen Reisepass mehr – er reist schließlich in seinem eigenen Namen. Auch offizielle Titel ändern sich: Rechtsanwälte mit dem Status „Queen’s Counsel“ heißen etwa zukünftig „King’s Counsel“.

Bild von Queen bleibt auf Briefmarken und Münzen

Queen Elizabeth II. hält zumindest einen Weltrekord: Auf Scheinen und Münzen von mindestens 33 verschiedenen Währungen ist das Gesicht der Queen zu sehen. Kein anderer noch lebender Monarch ziert so viele Scheine und Münzen wie sie. Aufgrund der langen Regentschaft der Queen sind in Großbritannien kaum mehr Münzen mit anderen Konterfeis im Umlauf. Während ihrer Zeit als Königin wurden fünf verschiedene Portraits von Queen Elizabeth II. auf die britischen Münzen geprägt. Mit ihrem Tod bleiben die britischen Geldstücke weiterhin gültig und werden Stück für Stück ersetzt. Neu geprägte Münzen und Scheine werden allerdings das Bild von King Charles III. zeigen. Nachdem das Gesicht der Queen auf den Münzen nach rechts gerichtet ist, wird der King allerding nach links schauen – so will es die Tradition. Die besagt, dass der Monarch in die jeweils andere Richtung blicken soll als ihr Vorgänger. Auch in Australien, Kanada und Neuseeland werden die Scheine mit dem Konterfei der Queen vorerst im Umlauf bleiben.
Briefe mit einem Bild von Königin Elisabeth II. in der rechten oberen Ecke wird es auch in Zukunft geben. Der nationale Postdienst Royal Mail bestätigte am Freitag die Gültigkeit der Briefmarken mit dem Konterfei der Queen. Wann es Briefmarken mit einem Bild von King Charles III. geben wird, ist noch unklar. „Wir werden künftige Briefmarkenausgaben zu gegebener Zeit ankündigen“, so die Post. Auch die bestehenden Briefkästen mit den Insignien der verstorbenen Königin werden nicht ausgetauscht, neue wird aber das Chiffre des britischen Königs zieren. Es werden also auch in Zukunft tausende rote Postkästen mit den Insignien der Queen „EIIR“ (Elizabeth II. Regina) im Vereinigten Königreich zu finden sein. Außerdem bekommt der frischgebackene König ein neues Wappen und eine persönliche Flagge

Plüsch-Queens und Wackelkopffiguren

Bei einem London-Trip den Queen-Souvenirs auszuweichen, war in den vergangenen Jahrzehnten beinahe unmöglich. Die Andenken reichen von Tassen mit Fotos der Königin über bedruckte T-Shirts bis hin zu Queen-Figuren mit Wackelköpfen oder Plüsch-Queens. Anlässlich des 70-jährigen Thron-Jubiläums in diesem Jahr wurde sogar eine limitierte Edition an Queen-Barbiepuppen herausgegeben. Nach dem Tod der Königin werden die meisten Geschäfte diese Souvenirs nun wohl nach und nach durch Modelle von König Charles ersetzen. Der offizielle königliche Souvenirshop „Royal Collection Shop“ titelte am Freitagnachmittag auf seiner Website: „Unser Onlineshop ist momentan geschlossen.“

Das Geschäft mit den königlichen Souvenirs bringt Großbritannien jedes Jahr viele Millionen ein. Das britische Forschungszentrum „Centre for Retail Research“ stellt seit zehn Jahren Berechnungen dazu an, wie royale Events, beispielsweise königliche Hochzeiten, Geburten oder Jubiläen, die Ausgaben im Einzelhandel beeinflussen. Demnach gaben Menschen allein diesen Frühling im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums von Queen Elizabeth II. über 280 Millionen Pfund (ca. 322 Millionen Euro) für Souvenirs aus – die meisten davon bedruckt, bestickt oder bemalt mit einem Abbild der Königin. Jedes Jahr bringt das Haus Windsor, das symbolisch für die britische Monarchie steht, der Wirtschaft Großbritanniens sowie dem Staat 1,7 Milliarden bis 2,7 Milliarden US-Dollar (etwa 1,4 Milliarden bis 2,3 Milliarden Euro) ein. Zu diesen Einnahmen zählen auch etwa Tourismus, Veranstaltungen und Souvenirs. Und selbst die Königinnen mit Wackelköpfen tragen wohl ihren minimalen Teil dazu bei.

(WienerZeitung.at/Foto: Gettyimages)

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