Obwohl sich die Leistungen insgesamt verbessert haben, bleibt Deutsch weiterhin das größte Problemfach. Auch der Vergleich zwischen Bundesländern und Städten zeigt teils überraschende Unterschiede.
Eine positive Nachricht: Schülerinnen und Schüler der Volksschulen erzielen heute in allen getesteten Kompetenzbereichen bessere Ergebnisse als noch vor drei Jahren. Dennoch fallen die Ergebnisse im Fach Deutsch deutlich schwächer aus. Während 84 Prozent der Kinder die Bildungsstandards in Mathematik erreichen, gelingt dies im Bereich Schreiben weniger als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler.
Der NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr bezeichnete den Bericht als wichtigen Schritt für die Bildungspolitik:
„Die Ergebnisse von iKMPLUS geben uns ein umfassendes Bild darüber, wie gut österreichische Schülerinnen und Schüler grundlegende Kompetenzen in Deutsch und Mathematik erwerben“, sagte er bei der Präsentation. Der Bericht sei ein „großer Fortschritt“, da er eine datengestützte Schulentwicklung ermögliche. Die Daten sollen künftig auch darüber entscheiden, welche Schulen zusätzliche Fördermittel erhalten, etwa durch Lernchancen-Boni oder gezielte Deutschförderprogramme, berichtet die Kronen Zeitung.
Deutsch bleibt das Problemfach
Während die Ergebnisse in Mathematik deutlich besser ausfallen, bestehen im Fach Deutsch weiterhin erhebliche Defizite. 59 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreichen die Bildungsstandards im Lesen (2015 waren es 62 Prozent), 65 Prozent im Hörverstehen (2015: 63 Prozent). Besonders problematisch ist jedoch das Schreiben: Nur 43 Prozent der Kinder erfüllen hier die geforderten Standards (2015: 40 Prozent). Damit erreicht weniger als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler die erwarteten Kompetenzen im schriftlichen Ausdruck.
Zum Vergleich: In Mathematik schneiden die Kinder deutlich besser ab – 84 Prozent erreichen oder übertreffen die Bildungsstandards.
Der Bericht zeigt zudem deutlich, dass der soziale Hintergrund einen großen Einfluss auf den schulischen Erfolg hat. In Schulen mit hohem sozioökonomischem Status erreichen 91 Prozent der Kinder die Standards in Mathematik und 70 Prozent im Lesen. In Schulen mit niedrigem sozioökonomischem Ausgangsniveau liegen die Werte hingegen nur bei 61 Prozent in Mathematik und 26 Prozent im Lesen.
Wien mit den schwächsten Ergebnissen
Auch zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Burgenland schneidet besonders gut ab: Dort erreichen 91 Prozent der Volksschüler die Bildungsstandards in Mathematik und 71 Prozent im Lesen – Spitzenwerte im österreichweiten Vergleich.
Ganz anders sieht es in Wien aus. In der Bundeshauptstadt erfüllen nur 77 Prozent der Kinder die Mathematikstandards und lediglich 48 Prozent die Lesestandards – die niedrigsten Werte aller Bundesländer. Dahinter folgt Vorarlberg mit 81 Prozent in Mathematik und 55 Prozent im Lesen.
Ein Grund für die schwächeren Gesamtergebnisse Wiens liegt laut Bericht in der sozialen Zusammensetzung der Schulen: 58 Prozent der Wiener Volksschulen gehören zu den niedrigsten sozioökonomischen Kategorien, während es im restlichen Österreich nur etwa 13 Prozent sind. Werden jedoch Schulen mit vergleichbarem sozialen Hintergrund verglichen, schneiden Wiener Schulen häufig sogar besser ab als Schulen in anderen Bundesländern.
Insgesamt liegen die meisten Bundesländer im erwarteten Bereich, wenn man die demografische Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Burgenland und Salzburg übertreffen ihre statistisch erwarteten Ergebnisse sogar.
Städtevergleich: große Unterschiede
Auch der Vergleich größerer Städte zeigt deutliche Unterschiede. Neun von 20 analysierten Städten liegen in Mathematik unter dem Durchschnitt ihres jeweiligen Bundeslandes, zwölf Städte schneiden beim Leseverständnis schlechter ab.
Zu den Städten, die auf oder über dem Landesdurchschnitt liegen, gehören Klagenfurt, Dornbirn, Bregenz, Leonding, Baden und Krems. Besonders Klosterneuburg erzielt überdurchschnittlich gute Ergebnisse.
Am unteren Ende der Rangliste befinden sich Wels und Traun, die sowohl in Mathematik als auch im Lesen deutlich unter dem Durchschnitt ihres Bundeslandes liegen. Auch Feldkirch, Innsbruck, Wiener Neustadt und Steyr gehören zu den Städten mit schwächeren Ergebnissen.
Was ist iKMPLUS?
iKMPLUS ist eine nationale Kompetenzmessung, die seit dem Schuljahr 2022/23 durchgeführt wird. In der 3. und 4. Klasse der Volksschule werden die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik sowie in drei Bereichen des Deutschunterrichts (Lesen, Hören und Schreiben) überprüft.
Der Bericht fasst die Ergebnisse der „Individuellen Kompetenzmessung PLUS“ zusammen – standardisierte Tests, die jährlich durchgeführt werden. Sie zeigen, wie gut Volksschüler grundlegende Fähigkeiten in Deutsch und Mathematik beherrschen, wie sich die Leistungen über mehrere Jahre entwickeln und wo Unterschiede zwischen Regionen oder sozialen Gruppen bestehen.
Die Daten sollen Schulen und Bildungspolitik dabei helfen, Schwächen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen einzuleiten.