AK warnt vor überfüllten Klassen

Die Wiener Arbeiterkammer rechnet damit, dass heuer bis zu 40.000 Flüchtlingskinder aus der Ukraine nach Wien kommen werden. Die Folge seien überfüllte Schulklassen. Die AK fordert nun vom Bund deutlich mehr Geld und Ressourcen für die Betreuung der Kinder.

Über 13.000 aus der Ukraine geflüchtete Menschen haben in Wien ihren Hauptwohnsitz angemeldet. Rund 40 Prozent sind Kinder und Jugendliche. Das stellt die Wiener Kindergärten und Schulen vor große Herausforderungen. Das System Schule habe bereits vor der Pandemie die Herausforderungen kaum bewältigen können, heißt es am Montag von der Wiener Arbeiterkammer gegenüber Radio Wien.

Der Krieg in der Ukraine verschärfe die Lage nun. Laut einer Hochrechnung der Arbeiterkammer werden in diesem Jahr insgesamt 13.000 geflüchtete Kinder unter sechs Jahren in Wien bleiben – im Pflichtschulalter sind es sogar 27.000. Im Oberstufenalter, also zwischen 15 und 18 Jahren, sind es laut der Hochrechnung 9.000 Jugendliche.

„Integrationsprofis an die Schulen“

Für Herbst müsse jetzt die Planung beginnen, forderte Ilkim Erdost von der Wiener Arbeiterkammer im Gespräch mit Radio Wien. „Es braucht zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer, insbesondere für die Sprachförderung, es braucht zusätzliche Räume und es braucht Integrationsprofis an den Schulen vor Ort.“

Direktorinnen und Direktoren brauchten mehr Sicherheit, dass sie durch das Bundesministerium zusätzliche Lehrerstunden und pädagogische Stunden finanziert erhielten. „Die brauchen jetzt Planungssicherheit, weil nur Hilfsbereitschaft allein wird nicht reichen. Es braucht jetzt die Vorgaben und die Strukturen, damit hier auch geholfen werden kann vor Ort.“

„Deutschförderklassen der falsche Weg“

Die geflüchteten Kinder und Jugendlichen in gesonderten Deutschförderklassen zu unterrichten ist für die AK-Bildungsexpertin allerdings der falsche Weg, „weil sie ein sehr starres Modell sind, große organisatorische Probleme an den Schulen verursachen und nicht flexibel auf den Deutschförderbedarf der Kinder eingehen“. Außerdem könnten die Kinder in diesen gesonderten Klassen nicht optimal voneinander lernen.

„Die Kinder verlieren auch viel Zeit, weil sie ‚nur‘ Deutsch lernen und kein Mathematik zum Beispiel oder Naturwissenschaften. Besonders für Kinder, die bereits in ihrer Bildungslaufbahn fortgeschritten sind, ist es eine sehr große Ungerechtigkeit. Die verlieren viel Zeit.“

AK fordert für Wien 55 Mio. Euro vom Bund

Für die Finanzierung der Integrationsmaßnahmen fordert die Arbeiterkammer allein für Wien rund 55 Mio. Euro vom Bund. Für das gesamte Bundesgebiet habe man errechnet, dass die Regierung 80 Mio. Euro für einen Integrationstopf bereitstellen müsste, so die AK-Expertin. „Dadurch, dass die meisten Vertriebenen in Wien bleiben werden, müsste auch der überwiegende Teil der bildungspolitischen Anstrengungen durch den Bund für Wien finanziert werden.“

Nur fünf pensionierte Lehrer kehrten zurück

Um den Mangel an Lehrpersonal in den Griff zu bekommen, schrieb die Stadt zuletzt pensionierte Lehrerinnen und Lehrer an, um sie vorübergehend wieder in den Dienst zu stellen. Der Rücklauf war laut dem Büro des zuständigen Stadtrates Christoph Wiederkehr (NEOS) allerdings nicht sehr hoch. Nur fünf pensionierte Lehrerinnen und Lehrer seien bis jetzt zurück und wieder angestellt, hieß es gegenüber Radio Wien.

 

(ORF)

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