Siedlung in Floridsdorf ohne Adresse

Rund 30 Personen wohnen in der Kleingartensiedlung Dirnelwiese in Floridsdorf, eine Adresse haben sie aber nicht. Die Siedlung ist ein weißer Fleck auf der Landkarte. Weil sie in keinem Straßenplan registriert sind, gibt es auch andere Probleme.

Genau an der Grenze zu Langenzersdorf, unweit der Prager Straße, liegt der Kleingartenverein Dirnelwiese. Seit 2013 kann man in den 13 Parzellen ganzjährig wohnen. Nicht alle Kleingärtnerinnen und -gärtner trauen sich aber, weil die Sorge um bürokratische Hürden zu groß ist, erzählt Michael Fritzlehner, der es als einer von zwei gewagt hat. „Das Meldeamt hat am Anfang gar nicht gewusst, wie sie uns einsortieren soll. Wir haben dann Rücksprache gehalten und im Endeffekt hat es uns dann eine Meldeadresse gegeben. Dirnelwiese Parzelle L haben wir jetzt.“

Probleme mit der Rettung

Das entsprechende Schild dazu hat Fritzlehner selbst gemacht. Die Pizza oder Pakete lässt er sich trotzdem zu den Nachbarn auf der anderen Straßenseite nach Niederösterreich schicken, denn diese Adresse gibt es im Straßennetz. Was skurril klingt, hat aber auch tragische Seiten, denn auch die Rettungskräfte finden nicht hierher.

So geschehen ist das bei einem Notruf einer Nachbarin, erzählt Fritzlehner. „Leider ist der Mann von ihr verstorben, weil in der Nacht die Diskussion war, ob die Wiener oder die niederösterreichische Rettung kommt.“ Dabei liegt die Lösung für die Kleingärtner so nah: Der Platz vor der Siedlung müsste benannt und registriert werden, sagt Andreas Wolf. „Dann heißt der Platz Dirnelplatz oder wie auch immer, und dann die Parzellen A, B, C – das ist in jedem großen Wohnbau so, dass man die Stiegen findet.“

Bezirk arbeitet an Lösung

Bis jetzt haben sich die Kleingärtner der Dirnelwiese mit ihrem Problem an den Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs gewandt. Dort wurden sie allerdings immer vertröstet, sagen sie. Mit einem Artikel in der „Floridsdorfer Zeitung“ wurde der Fall öffentlich bekannt. Auch Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) erfuhr erst vor kurzem vom Problem. „Mir ist die Sorge seit rund 14 Tagen bekannt und das muss natürlich schnell gelöst werden.“

Auch im Bezirk hält man die Umwidmung des Platzes für die einfachste Lösung. „Es braucht einen Beschluss im Wiener Gemeinderat. Flächenwidmungen sind gemeinderatspflichtig und der Bezirk hat natürlich vorher die Vorbereitung im Bauausschuss und im Bezirksparlament“, erzählte Papai. Wann es zu einer Entscheidung kommt, ist noch offen.

(ORF.at/Foto: gettyimages)

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